Ladesäulen in den Niederlanden: Kosten, Bezahlen und Antrag
Wer in den Niederlanden elektrisch fährt, lädt oft an einer öffentlichen Säule am Straßenrand, doch die Regeln für Antrag, Bezahlung und Parken unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine Säule beantragen, wie Sie bezahlen, was Sie über den Preis pro kWh wissen sollten und wann Sie einen Ladeplatz nicht nutzen dürfen.
Das Wichtigste
- Eine öffentliche Ladesäule beantragen Sie bei Ihrer Gemeinde, oft über ein Onlinesystem wie laadpaalnodig.nl, über einen Ladesäulenbetreiber (CPO) oder eine eigene Anlaufstelle.
- Die meisten Gemeinden lehnen einen Antrag ab, wenn Sie auf einer eigenen Einfahrt oder einem privaten Platz in einem Parkhaus parken können: Das nennt sich Ladeleiter.
- Laut dem Nationaal Laadonderzoek 2026 der RVO zahlen 86% der E-Auto-Fahrer mit einer Ladekarte und 9% mit einer Lade-App, kontaktloses Bezahlen ist mit 1% noch selten.
- Einen landesweit festen Tarif pro kWh gibt es nicht: 43% der E-Auto-Fahrer wissen vorher nie oder meistens nicht, was das Laden kostet, und kommerzielle Schnellladestationen verlangen einen höheren Preis.
- Ein Parkplatz ausschließlich zum Laden von Elektrofahrzeugen besteht nur auf Grundlage eines Verkehrsbeschlusses, ohne zu laden haben Sie dort also nichts zu suchen.
Was Sie zuerst tun sollten
Fahren Sie in den Niederlanden elektrisch und haben keine eigene Einfahrt, sind Sie zum Laden oft auf eine öffentliche Ladesäule angewiesen. Beginnen Sie mit 3 Dingen. Prüfen Sie, ob Sie überhaupt Anspruch auf eine Säule im öffentlichen Raum haben, denn die meisten Gemeinden schauen zuerst, ob Sie auf eigenem Grund laden können. Organisieren Sie außerdem eine Bezahlmöglichkeit, in der Praxis meist eine Ladekarte oder Lade-App. Und lernen Sie, die Schilder zu lesen: Nicht jeder Parkplatz neben einer Ladesäule steht allen offen.
Sind Sie nur auf der Durchreise aus Spanien, dem Vereinigten Königreich, Deutschland oder Italien, müssen Sie nichts beantragen. Für Sie zählen vor allem die Bezahlmöglichkeiten, die Preisinformationen und die Parkregeln an Ladesäulen.
Eine öffentliche Ladesäule beantragen
Eine öffentliche Ladesäule beantragen Sie bei der Gemeinde, in der Sie wohnen. Laut NKL Nederland nutzen verschiedene Gemeinden ein Onlinesystem zum Einreichen und Bearbeiten von Anträgen. Ein Beispiel ist laadpaalnodig.nl, das Gemeinden nach eigenen Wünschen einrichten können.
Wie Ihr Antrag weiterläuft, hängt davon ab, wie Ihre Gemeinde mit dem Markt zusammenarbeitet:
- Über einen Ladesäulenbetreiber (CPO). Der Antrag eines Einwohners läuft meist über einen CPO, das Unternehmen, das die Säule aufstellt und betreibt. Nahezu alle Gemeinden haben Vereinbarungen mit 1 oder mehreren CPOs für Aufstellung und Betrieb öffentlicher Ladesäulen.
- Im Genehmigungsmodell. Dann läuft der Antrag oft über die regulären Abteilungen der Gemeinde für Parkpolitik und Genehmigungen.
- Im Konzessions- oder Auftragsmodell. Hier richtet die Gemeinde oft eine eigene Anlaufstelle ein.
Rechnen Sie nicht mit einer schnellen Aufstellung. NKL Nederland beschreibt Gemeinden, in denen immer mehr Einwohner eine Ladesäule beantragen und die Wartezeiten steigen. Eine öffentliche Ladesäule wird in der Regel für mindestens 10 bis 15 Jahre aufgestellt. Versetzen oder Entfernen ist teuer und erfordert viel Abstimmung, unter anderem mit dem Netzbetreiber. Eine Gemeinde wählt den Standort daher sorgfältig.
Beachten Sie auch, dass manche Gemeinden und Regionen die sogenannte nachfragegesteuerte Aufstellung zurückfahren. Dort können Sie nicht mehr einfach eine Säule an Ihrer Wohnung beantragen, oder Anträge sind nur noch für bestimmte Nutzer möglich, etwa Carsharing-Anbieter oder Betroffene wie Menschen mit Behinderung.
Die Ladeleiter: Wann Ihr Antrag abgelehnt wird
Die Behörden wollen, dass zuerst auf privatem Gelände geladen wird, danach auf halböffentlichem Gelände und erst dann im öffentlichen Raum. Das nennt sich Ladeleiter (ladder van laden). Die meisten Gemeinden haben dieses Prinzip in ihrer Ladepolitik festgeschrieben.
In der Praxis heißt das: Ein Antrag auf eine öffentliche Ladesäule wird abgelehnt, wenn Sie auf Ihrer eigenen Einfahrt oder auf einem privaten Platz in einem Parkhaus parken können. Mieten Sie eine Wohnung mit einem solchen Platz, weiß Ihr Vermieter laut NKL Nederland nicht immer davon. Gemeinden können den Vermieter dann auf die Politik hinweisen, möglichst auf eigenem Grund zu laden, oder Ihnen als Mieter Hilfestellung für das Gespräch mit dem Vermieter geben.
Einige Sonderfälle:
- Gemeinsames Gelände. Manche Parkflächen sind Gemeinschaftseigentum, etwa bei einem Innenhof. Wollen Sie dort einen Ladepunkt einrichten, geht das nur in Absprache mit den Nachbarn, manchmal über eine Eigentümergemeinschaft.
- Eigener Platz jenseits des Gehwegs. Liegt Gemeindegrund wie ein Gehweg oder Radweg zwischen Ihrem Haus und Ihrem Stellplatz, muss ein Kabel durch den öffentlichen Raum geführt werden. Dafür ist die Zustimmung der Gemeinde nötig, und für einen solchen verlängerten privaten Anschluss gibt es in vielen Gemeinden keine Erlaubnis.
Bezahlen an der öffentlichen Ladesäule
Das Nationaal Laadonderzoek 2026 der RVO zeigt, wie E-Auto-Fahrer in den Niederlanden bezahlen:
- Ladekarte: 86% zahlen hauptsächlich mit einer Ladekarte.
- Lade-App: 9% nutzen eine Lade-App.
- Autocharge oder Plug and Charge: 2%. Dabei erkennt die Ladesäule Ihr Auto und startet den Ladevorgang automatisch.
- Kontaktloses Bezahlen: 1%.
Die Nachfrage nach den weniger genutzten Optionen ist größer als die Nutzung: 15% der E-Auto-Fahrer möchten kontaktlos bezahlen und 18% Autocharge oder Plug and Charge nutzen.
Neben dem Laden mit Karte können Sie an einem Teil der Säulen ad hoc laden, etwa per QR-Code. Das ist vor allem für Besucher aus dem Ausland ohne niederländische Ladekarte praktisch. Laut RVO ist der Preis beim Ad-hoc-Laden auch nachvollziehbarer, weil es weniger Preisbestandteile gibt und 1 Preis pro Ladesäule gilt. Mit Ladekarte ist das nicht immer der Fall.
Ad-hoc-Laden ist nicht neu. In Rotterdam eröffnete im November 2018 der erste Ladeplatz der Stadt, an dem E-Auto-Fahrer erstmals ohne Ladekarte laden konnten. Laut NKL Nederland konnten Nutzer dort über die App Laadpaal app/Last Mile Solutions, verknüpft mit PayPal, bezahlen sowie den Ladevorgang starten und beenden.
Was kostet das Laden pro kWh?
Einen festen landesweiten Preis pro kWh für öffentliches Laden gibt es nicht. Der Preis unterscheidet sich je nach Ladesäule, Betreiber und Ladekarte. Genau das macht es für viele Fahrer schwierig.
Aus dem Nationaal Laadonderzoek 2026 der RVO geht hervor:
- 43% wissen vorher nie oder meistens nicht, was sie an der öffentlichen Ladesäule zahlen.
- Selbst unmittelbar vor dem Start des Ladevorgangs wissen 41% nie oder meistens nicht, was es kostet.
- An öffentlichen Säulen außerhalb des eigenen Wohnviertels wissen nur 38% oft oder immer, was der Ladevorgang kosten wird.
- Im Nachhinein ist das Bild besser: Gut 80% wissen anhand der Rechnung oft oder immer, was der Ladevorgang gekostet hat, ob zu Hause oder anderswo. 11% wissen auch dann nie oder meistens nicht, was sie bezahlt haben.
Wer selbst zahlt, achtet genauer darauf: E-Auto-Fahrer, die das Laden selbst bezahlen, wissen in 66% der Fälle oft oder immer, was sie in Wohnungsnähe zahlen werden. Wer nicht selbst zahlt, etwa mit einem Leasingauto, weiß das in 70% der Fälle nie oder meistens nicht.
Preisunterschiede pro kWh spielen eine Rolle. Im Schnitt ist ein E-Auto-Fahrer laut RVO bereit, 345m weiter entfernt zu parken, um 0,10 € pro kWh weniger zu zahlen.
Wo laden Sie teurer? Laut NKL Nederland verlangen vor allem kommerzielle Schnellladestationen einen höheren Preis. Auch der Zeitpunkt kann einen Unterschied machen: Bei viel erneuerbarer Energie aus Sonne und Wind liegt der Energiepreis meist niedriger, sodass Laden günstiger wird, so das Basisset laadinfrastructuur von NKL Nederland.
Parken an einer Ladesäule ohne zu laden
Ob Sie neben einer Ladesäule parken dürfen, ohne zu laden, hängt von der Widmung des Stellplatzes ab. Will eine Gemeinde einen Platz ausschließlich für das Laden von Elektrofahrzeugen reservieren, muss laut NKL Nederland dafür ein Verkehrsbeschluss gefasst werden. Steht dort ein entsprechendes Schild, ist der Platz zum Laden gedacht. Ein Verbrenner oder ein Elektroauto, das nicht lädt, gehört dort nicht hin.
Nicht jeder Platz an einer Säule ist so gewidmet. Auf dem Rotterdamer Ladeplatz von 2018 waren 4 der 10 Stellplätze ausschließlich Elektroautos vorbehalten. Die anderen 6 Plätze durften sowohl elektrische als auch nicht elektrische Autos nutzen, mit dem Ziel, sie später exklusiv zu machen, wenn der Ladebedarf wächst. Die Beschilderung befand sich dort an der Ladesäule selbst und kann mitwandern, wenn ein zusätzlicher Ladeplatz hinzukommt. Achten Sie also genau darauf, welcher Platz zu welchem Schild gehört.
Kontrolle und Strafgebühren
Gemeinden treffen mit Ladesäulenbetreibern Vereinbarungen über die Ladetarife und über etwaige Strafgebühren für langes Parken an der Säule. Eine solche Gebühr ist ein zusätzlicher Kostenpunkt, der über Ihren Ladevorgang anfallen kann, wenn Sie zu lange stehen bleiben. Wie hoch sie ist und ab wann sie gilt, unterscheidet sich je nach Gemeinde und Betreiber. Einen landesweiten Betrag gibt es nicht. Schauen Sie daher in der App oder an der Säule nach, ob eine Gebühr für langes Parken gilt.
Zur Kontrolle Ihrer Rechnung: Laut RVO gibt ein großer Teil der Fahrer an, dass der Preis auf der Rechnung immer oder meistens stimmt. Trotzdem lohnt es sich, Ihre Ladevorgänge zu überprüfen, gerade weil so viele Fahrer vorher nicht wissen, was sie zahlen.
Ausnahmen und Sonderfälle
Carsharing-Autos. Elektrische Carsharing-Autos sind fast immer auf öffentliche Ladesäulen angewiesen. Einen Platz für ein Carsharing-Auto zu reservieren erfordert, wie bei einem Platz ausschließlich zum Laden, einen Verkehrsbeschluss. Manche Gemeinden lassen Anträge auf eine öffentliche Säule nur noch für Carsharing-Anbieter zu.
Menschen mit Behinderung. Wo Gemeinden die nachfragegesteuerte Aufstellung zurückfahren, bleiben Anträge manchmal für Betroffene wie Menschen mit Behinderung möglich.
Leasingfahrer. Laut Nationaal Laadonderzoek 2026 erhalten von den Leasingfahrern, die zu Hause laden, 30% eine feste Vergütung pro kWh und nur 4% keine Vergütung. Von dieser Gruppe sind 87% mit der Erstattung der Ladekosten zufrieden und 5% (sehr) unzufrieden.
Privatauto für die Arbeit. Fahren Sie mit Ihrem eigenen Elektroauto dienstlich, fällt die Erstattung Ihrer Ladekosten laut RVO unter die zielgerichtete Steuerbefreiung von 0,23 € pro Kilometer für Dienstreisen. Erstattet Ihr Arbeitgeber die genauen Ladekosten zusätzlich zu dieser Kilometerpauschale oder liegen die tatsächlichen Ladekosten über 0,23 € pro Kilometer, ist der Mehrbetrag steuerpflichtiger Lohn.
Bidirektionales Laden. Viele öffentliche Ladesäulen sind technisch bereits geeignet, Strom ins Netz zurückzuspeisen (Vehicle to Grid), doch es liegt bei der Gemeinde, ob diese Funktion tatsächlich angeboten wird. Laut RVO möchten 40% der E-Auto-Fahrer an der öffentlichen Säule bidirektional laden.
Checkliste vor der Abfahrt
- Prüfen Sie, ob Sie auf eigenem Grund laden können: Falls ja, wird ein Antrag auf eine öffentliche Säule meist abgelehnt.
- Finden Sie heraus, wie Ihre Gemeinde Anträge bearbeitet: Onlinesystem, CPO, Genehmigungsabteilung oder Anlaufstelle.
- Rechnen Sie mit Wartezeiten für die Aufstellung.
- Besorgen Sie eine Ladekarte oder Lade-App, oder sorgen Sie dafür, dass Sie ad hoc per QR-Code zahlen können, wenn Sie aus dem Ausland kommen.
- Prüfen Sie vor jedem Ladevorgang den Preis pro kWh, besonders an kommerziellen Schnellladern.
- Schauen Sie, ob eine Gebühr für langes Parken an der Säule gilt.
- Lesen Sie das Schild: Auf einem Platz ausschließlich zum Laden parken Sie nur zum Laden.
- Kontrollieren Sie im Nachhinein Ihre Rechnung auf den tatsächlich gezahlten Preis.
Häufige Fragen
Wie beantrage ich eine öffentliche Ladesäule in den Niederlanden?
Was kostet das Laden an einer öffentlichen Ladesäule pro kWh?
Wie bezahle ich an einer niederländischen Ladesäule?
Darf ich an einer Ladesäule parken, wenn ich nicht lade?
Warum wird mein Antrag auf eine öffentliche Ladesäule abgelehnt?
Quellen
- PDF : nationaal-laadonderzoek-2026.pdf (rvo.nl)
- Laadpunten - werkgebonden personenmobiliteit (rvo.nl)
- Over visie en beleid - NKL Nederland (nklnederland.nl)
- Anders Laden - NKL Nederland (nklnederland.nl)
- Eigen laadpaal van de deelauto-aanbieders wel of niet toestaan? - NKL Nederland (nklnederland.nl)
- Collectieve laadpleinen - NKL Nederland (nklnederland.nl)
- PDF : Basisset-laadinfrastructuur.pdf (nklnederland.nl)
- Wonen en privaat laden (nklnederland.nl)
An amtlichen Quellen geprüft am 20. Oktober 2026. Einen Fehler melden
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